Mittwoch, 28. März 2007

Right to the point


Schon mal eine Fußreflexmassage gehabt? Heißt das überhaupt Fußreflexmassage? Wie auch immer. Jedenfalls hatte ich meine erste in Singapur. Eigentlich bin ich ja etwas skeptisch, was diese asiatischen Gesundheitsmethoden betrifft. Ich bin einfach der festen Überzeugung, dass man jemanden nicht mit Nadeln pieksen sollte oder ihm die Hände klatscht, bis sie rauchen. Oder was die hier sonst so veranstalten, um sich wieder auf Vordermann zu bringen. Aber Fußreflexmassage? Das klingt entspannend. Was kann da schon schief gehen?

„Ich habe gehört, in Deutschland machen sie auch Fußmassagen“, sagt er, „aber sie machen es nicht richtig.“
„Nicht?“
„No, but here we go right to the point!“
Na, wenn’s so ist, denke ich mir – schließlich kommt der gute Mann aus Asien, und die müssen’s ja wissen.
„Können wir auf Sport umschalten?“ frage ich, weil im Massageraum ein Fernseher läuft.
„Klar.“

Er schaltet um: Poolbillard. Weltmeisterschaftsfinale. Ein Deutscher gegen einen Finnen. Ich lehne mich zurück, mache es mir gemütlich. Er schnappt sich meinen linken Fuß, cremt in ein, und ich denke: He, so kann’s weitergehen, tolle Sache, Fußreflexmassage. Vielleicht hätte ich vorher fragen sollen, was er eigentlich mit „right to the point“ meint …

Er bohrt sich mit seinen Stahlfingern in meinen Fuß, dreht ihn, knickt ihn, wringt ihn förmlich aus, während ich mit weit aufgerissenen Augen und einem stummen Schrei auf den Lippen auf ihn herabschaue.
„Auaaaaa! That hurt’s!“
„Yeah, that’s good …“
Fünfundvierzig Minuten geht das so, und weil er gerade einen Lauf hat, bekomme ich eine Hufschmied-Schulternmassage gratis.
„And?“ fragt er zufrieden. „How does it feel?“
„Good“, sage ich und schleiche aus dem Laden.

Wann werde ich endlich schlau und lasse einfach mal die Finger von Sachen, von denen ich nichts verstehe? Ich werde nie wieder richtig laufen können, nur weil ich mal wieder auf einen sadistischen Quacksalber hereingefallen bin.

Draußen bleibe ich vor einer Schaufensterscheibe stehen und sehe mit mit aufgeklapptem Mund hinein: Fußreflexmassage. Angeboten von einer hübschen und überaus zarten Thai. Sie massiert einer Kundin die Füße. Auch right to the point. Denn die lächelt selig ... im Schlaf.

1 Kommentar:

Walther hat gesagt…

Das kommt mir irgendwie bekannt vor ;-) Ich habe mich beispielsweise sehr auf eine einwöchige Ayurveda-Kur in Südindien gefreut. Nach drei Tagen à zwei Ölmassagen täglich konnte ich den Geruch des warmen Öls nur noch schwer ertragen. Das Liegen auf den harten Brettern der Ayurveda-Liege war auch nicht gerade dazu angetan, mich zu entspannen. Schließlich kam noch hinzu, dass ab dem zweiten Tag nebenan gebaut wurde - und das zur Mittagszeit!
P.S. Wir haben euch übrigens auf unseren Blogroll gesetzt (blog.tours-magazin.de) ...
Beste Grüße
Walther